Zu Beginn jeder Stunde wiederholen wir den Stoff der letzten Einheit. Die Frage „Wer kommt dran?“ soll fair sein, ein bisschen spannend – und dafür sorgen, dass alle regelmäßig drankommen, vor allem die, die es nötig haben. Aus diesem Bedarf ist ein eigenes Werkzeug entstanden: ein Stundenwiederholungsmanagement, entwickelt mit KI-Unterstützung.
Was das Werkzeug kann
- Klassen, Schülerlisten und Fächer: Jedes Fach hat eine eigene Auswahl und einen eigenen Verlauf. Namen lassen sich zeilenweise einfügen, auch direkt aus Excel.
- Faire Zufallsauswahl mit Gedächtnis: Abhängig vom Ergebnis wird die Wahrscheinlichkeit der nächsten Stundenwiederholung determiniert.
- Pro Tag nur einmal dran, dazu eine Spalte „Heute“ für abwesend, schon dran oder Joker. Abwesenheiten werden mit Datum protokolliert.
- Joker pro Fach, die Lehrkräfte vergeben können.
- Turbo-Modus mit Fragenpool pro Fach: Nach der Auswahl erscheint direkt eine Frage. Nach drei richtigen Antworten wandert sie ins Archiv.
- Teamteaching: Klassen lassen sich mit Kolleg:innen teilen, alle arbeiten mit derselben Liste und demselben Verlauf.
- Als App installierbar (PWA), mit Handy-Layout, Hell/Dunkel und Tastatursteuerung.

Wie es entstanden ist
Das Werkzeug ist ein Beispiel für KI-unterstützte Programmierung, oft „Vibe Coding“ genannt. Alle 22 Änderungen von der zweiten Version am 22. Oktober bis heute sind gemeinsam mit Claude Code entstanden. Die Arbeitsteilung:
- Ich beschreibe, was ich im Unterricht brauche, teste die neuen Versionen im Unterricht und entscheide, was bleibt.
- Die KI schreibt den Code, passt Datenbank und Oberfläche an, ergänzt die Dokumentation und baut die Deployment-Anleitung.
Viele der neueren Funktionen sind aus dem Unterrichtsalltag heraus entstanden, etwa „Pro Tag nur einmal dran“, die Abwesenheitsliste oder der Turbo-Modus mit Fragenpool.
Technik: bewusst einfach
- Python nur mit der Standardbibliothek, SQLite als Datenbank, ein statisches Frontend. Keine Frameworks, die man in zwei Jahren aktualisieren muss.
- Anmeldung mit PBKDF2-Passwort-Hashes, HttpOnly-Session-Cookie und Sperre nach fünf Fehlversuchen. Rollen für Administration und Lehrkräfte, jede Lehrkraft sieht nur ihre eigenen Klassen.
- Version 1 hat noch eine JSON-Datei verwendet. Version 2 übernimmt sie beim ersten Start automatisch in die Datenbank.
Deployment ohne Handarbeit
git push ──► GitHub Actions baut das Container-Image (latest + Commit-Tag)
──► Podman-Quadlet mit AutoUpdate=registry im LXC
──► podman-auto-update holt alle 15 Minuten die neue Version
Zurück auf eine ältere Version geht mit einer Zeile: Im Quadlet das Image auf den Commit-Tag setzen und den Dienst neu starten. Gesichert wird die SQLite-Datei, zusätzlich läuft das Proxmox-Backup.
Was ich daraus mitnehme
- Tempo: Der Weg von der Idee im Unterricht zur laufenden Funktion ist sehr kurz. Für ein internes Werkzeug ist das ein enormer Unterschied.
- Verantwortung bleibt beim Menschen: Welche Daten gespeichert werden, wer was sehen darf und wie mit Schülerdaten umgegangen wird, entscheide ich. Die KI setzt um, sie entscheidet nicht.
- Einfachheit zahlt sich aus: Weil der Stack klein ist, bleibt der Code auch für Menschen lesbar – und das Deployment robust.
- Gute Grundlagen machen KI produktiver: CI/CD, Container und ein klares Datenmodell waren von Anfang an da. Darauf kann die KI zuverlässig aufbauen.
