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Entfeuchten aus der Ferne: Taupunkt-Steuerung mit Home Assistant für ein Haus auf den Azoren

Ein Haus auf den Azoren steht den Großteil des Jahres leer. Das Klima ist mild, aber feucht – und ohne Bewohner, die lüften und heizen, steigt die Luftfeuchte schnell über die Schwelle, ab der Schimmel wächst. Mit Home Assistant und den vorhandenen Klimageräten regeln wir das jetzt automatisch aus der Ferne.

Die Ausgangslage

  • Zwei Klimageräte mit Wärmepumpe: eines im Dachgeschoss, eines im Wohnzimmer. Beide hängen an der Hersteller-Cloud und lassen sich über Home Assistant steuern.
  • Ein Funk-Sensor für Temperatur und Luftfeuchte.
  • Niemand vor Ort, der eingreifen kann. Fehler müssen also erkannt und gemeldet werden.

Warum nicht einfach „unter 60 %“?

Schimmel hängt nicht von der Luftfeuchte mitten im Raum ab, sondern von der Feuchte direkt an der Wandoberfläche. Kühlt die Luft an einer etwas kälteren Wand ab, steigt dort die relative Feuchte. Kritisch wird es, wenn sie an der Oberfläche über mehrere Tage über etwa 80 % liegt.

Eine Abschätzung für 19 °C innen, 12 °C außen und dicke Natursteinwände:

Feuchte im Rauman der freien Wandin Ecken und hinter Möbeln
75 %ca. 85 %ca. 95 %
70 %ca. 79 %ca. 89 %
65 %ca. 74 %ca. 83 %

Dicke Basaltwände klingen nach guter Dämmung, Stein leitet Wärme aber recht gut. Ihre Stärke ist die Speicherwirkung: Sie gleichen Tag und Nacht aus. Die Konsequenz: Ein fester Zielwert ist ein Kompromiss zwischen Stromverbrauch und Sicherheit. Wir starten mit 75 % und beobachten, ob 65–70 % nötig sind. Zusätzlich berechnet ein Helfer laufend den Taupunkt, der im Dashboard neben Temperatur und Feuchte steht.

Die Steuerung

  • Haltebetrieb: Das Wohnzimmergerät hält das Haus auf 19 °C. Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen und erwärmt auch die Wände.
  • Entfeuchten: Steigt die Feuchte über 75 %, schaltet das Dachgerät auf Trocknen, das Wohnzimmer heizt nach. Ist es oben kälter als 19 °C, heizt das Dachgerät zuerst, weil Trocknen in kalten Räumen kaum wirkt.
  • Hysterese: Erst unter 68 % geht es zurück in den Haltebetrieb. So pendelt die Anlage nicht ständig hin und her.
  • Nachlauf: Nach dem Trocknen lüftet das Dachgerät 20 Minuten nach und schaltet dann ab, damit der Wärmetauscher trocknet.
  • Sicherer Rückfall: Fällt der Sensor aus, gilt „nicht zu feucht“ und die Anlage bleibt im Haltebetrieb, statt blind weiterzutrocknen.

Wer den Zielwert bequem per Schieberegler im Dashboard ändern will, baut die Schaltschwelle als Template-Binärsensor mit Hysterese:

{% set rh = states('sensor.luftfeuchte') | float(none) %}
{% set ziel = states('input_number.ziel_feuchte') | float(75) %}
{% if rh is none %}false
{% elif rh > ziel %}true
{% elif rh < ziel - 7 %}false
{% else %}{{ this.state == 'on' }}
{% endif %}

Überwachung aus der Ferne

Ohne jemanden vor Ort ist die Überwachung genauso wichtig wie die Regelung. Per WhatsApp kommt eine Nachricht, wenn

  • ein Klimagerät oder der Sensor offline ist,
  • die Feuchte zwei Tage lang über 80 % liegt,
  • die Entfeuchtung seit zwei Stunden aktiv ist, das Dachgerät aber weder trocknet noch heizt – etwa weil die Hersteller-Cloud einen Befehl verschluckt oder in der App ein Zeitplan dazwischenfunkt.

Jede Warnung kommt nur einmal pro Vorfall. Ist ein Gerät nicht erreichbar, meldet sich nur die Offline-Warnung, nicht zusätzlich die Trocknen-Warnung.

Dazu kommen geschätzte Leistung und Energie je Gerät als Template-Sensoren. Alle Werte landen über die Prometheus-Integration in Grafana, wo sich Feuchte, Taupunkt und Verbrauch über Wochen vergleichen lassen.

Was wir als Nächstes vor Ort machen

  • Einen zweiten Sensor in die kälteste Ecke legen, etwa bodennah an eine nördliche Außenwand oder hinter einen Schrank. Er misst genau das, worauf es ankommt.
  • Möbel an Außenwänden 5–10 cm abrücken und Innentüren offen lassen.
  • Nach einigen Wochen die geschätzten kWh mit dem Stromzähler vergleichen und entscheiden, ob wir auf 65–70 % gehen.

Fazit

Mit zwei vorhandenen Klimageräten, einem günstigen Sensor und Home Assistant wird aus „hoffentlich schimmelt nichts“ eine nachvollziehbare Regelung mit Alarmierung. Der wichtigste Gedanke dabei: nicht die Raumluft regeln, sondern an die Wand denken.